Mittwoch, 23. März 2011

Mole

Hier ein kleiner Einblick in mexikanische Esskultur: Eins der wichtigsten Gerichte Mexikos ist Mole. Mole wird vor allem zu besonderne Anlässen gemacht, z.B. zu Hochzeiten. Dann treffen sich die Frauen am Tag vorher in der Küche und verbringen im Prinzip den ganzen Tag mit der Zubereitung. Es gibt eine ganze Anzahl verschiedener Mole-Rezepte, von denen die meisten mit ungesüßter Schokolade sind. Mole wird mit Hühnchen gekocht, oder zu Enchiladas (gefüllte Maistortillas) oder Reis gegessen, wobei es auch da noch eine Reihe anderer Möglichkeiten gibt. Der Geschmack ist für Nicht-Mexikaner durchaus gewöhnungsbedürftig, ziemlich herb - ebenso wie das dunkelbraune Aussehen...

Der vergangene Montag war ein offizieller Feiertag zu Ehren Benito Juárez', einem früheren Präsidenten und Reformer. Mit einer mexikanischen Freundin verbrachte ich den ganzen späteren Nachmittag und Abend in der Küche um die erste Mole meines Lebens zu machen. Die Zubereitung ist auf jeden Fall einen Bericht wert: Zunächst wurden zwei Sorten getrockneter Chilis frittiert. Wenn man sie einzeln in das heiße Öl gibt, sprudelt es stark und raucht heftig. Nach einer Weile war die komplette Küche mit einem beißenden Chilirauch gefüllt; wir mussten immer wieder zum Fenster rennen, um gegen den Hustenreiz anzukommen. In dem gleichen Öl wurden anschließend Kochbananenscheiben ausgebacken. Sie sind auch einzeln gegessen sehr lecker und ziemlich scharf von dem Chiliöl. Danach wurden in dem Öl (unglaublich, aber wahr!!!) nacheinander Kekse, Maistortillas, Zwiebeln, Knoblauch, Rosinen, Samen (ähnlich Sesam), Zimtstange und Tomaten frittiert. (Dieses Rezept ist ohne Schokolade, aber trotzdem sehr gut.) Alles kam mehr oder weniger zusammen und mit Wasser in den Mixer (wir mussten den Mixer ziemlich häufig neu befüllen), wurde gründlich zerkleinert und anschließend in einem großen Topf gemischt. Als wir es dann unter gründlichem Rühren kochten, veränderten sich noch einmal Geschmack und Farbe, es wurde richtig dunkelbraun, als sei es mit Schokolade. Die Farbe kommt aber eigentlich von Chilis. Jetzt mussten wir es nur noch mit Salz und einer ziemlich großen Menge Zucker abschmecken und essen...
Wir bestrichen Maistortillas mit der Mole, rollten sie auf, stapelten sie und übergossen sie mit noch mehr Mole. Das ganze wurde mit geriebenem Käse und Zwiebelringen gegessen. Außerdem gab es (ganz typisch) Reis dazu.

Montag, 21. März 2011

Mexikaner und die Deutsche Geschichte

Wie ich früher schon einmal schrieb: Hier in Mexiko habe ich die erstaunliche Gelegenheit, mehr über mich, mein Land und mein Verhältnis zu mein Land zu lernen. Der Patriotismus der Mexikaner lässt uns erst merken, wie schön unser Land eigentlich ist und welche Gründe wir haben, unser Land zu lieben, vielleicht sogar stolz darauf zu sein - Sätze, die für einen Mexikaner selbstverständlich wären, für einen Deutschen aber eher nicht. Entsprechend überrascht fallen dann die Reaktionen auch aus, wenn wir erzählen, welche Haltung die meisten Deutschen zu ihrem Land haben.
Daran, dass wir unseren mangelnden Patriotismus erklären müssen, haben wir uns mittlerweile gewöhnt - neuerdings beschäftigt uns etwas anderes: Immer wieder laufen Gespräche in etwa folgendermaßen ab. "Woher kommst du?" "Aus Deutschland." "Wow, wie cool! - Gibt es da denn noch Leute, die Hitler gut finden?" 
Kürzlich lernte ich einen netten jungen Mann kennen. Ich hatte etwas Schwierigkeiten mit seinem schnellen Spanisch, so dass das Gespräch etwas stockend war. Er erzählte mir, er wolle gerne Deutsch lernen und begann dann, von seiner etwas dunkleren Hautfarbe zu sprechen. Ich war irritiert, weil ich überhaupt nicht verstand, warum er jetzt davon sprach - bis er mich fragte, ob in Deutschland denn noch Menschen mit dunkler Haut umgebracht würden... 
Eindrucksvoll war auch ein Gespräch mit einem anderen jungen Mann hier. Er sagte aus irgendeinem Grund zu etwas "Nein, nein, nein, nein! .... Ich bin Hitler!" Ich war vollkommen verwirrt, bis mir erklärt wurde, dass es sich um ein Filmzitat handele; in irgendeinem Film sagt Hitler "Nein, nein, nein, nein!" (Natürlich erklärte ich, dass er so etwas niemals in Deutschland sagen dürfe...)
Als wir mit dem Chor Beethovens 9. Sinfonie aufführten, beugte sich eine Mitsängerin zu mir herüber und sagte: "Hitlers Musik!" - Ich war total schockiert, dass die schöne Musik Beethovens als erstes mit Hitler assoziiert wird. Offenbar war auch das von irgendeinem Film beeinflusst.
Eindrucksvoll war auch, als mir eine Freundin hier erzählte, wie einige Mädchen den Hitlergruß vor ihr machten - und auch erstmal aufgeklärt werden mussten.

Es ist wirklich merkwürdig: Viele Menschen hier stehen Deutschland und uns als Deutschen wirklich sehr positiv und offen gegenüber, aber das erste, was ihnen einfällt ist Hitler! Immer wieder müssen wir uns von Hitler und den Nationalsozialisten (bzw. Neonazis) distanzieren, erklären, warum wir es nicht so lustig finden, wenn hier mit Deutschland als erstes Hitler assoziiert wird, einen Crashkurs in deutscher Geschichte geben (ohne Deutschland in irgendeiner Form schlecht zu machen, denn wir wollen ja das Land gut vertreten - beeinflusst vom mexikanischen Patriotismus mehr denn je)... Dabei ist offensichtlich, dass uns niemand zu nahe treten will. Sie fragen aus Unkenntnis, mit großer Offenheit und Unschuld, und ganz nett dabei...

Sonntag, 20. März 2011

Blühende Orangenbäume

Vor ein paar Tagen ist mir klar geworden, dass ich im Moment im Land lebe, wo die Orangen blühen - die Orangenbäume stehen überall in den Gärten. Unser Garten gleicht zwar mehr einem umgepflügten Acker und wir benutzen ihn quasi nur, um Wäsche aufzuhängen, aber auch dort steht ein kleiner Orangenbaum. Dass er jetzt blüht entdeckte ich, als ich Dekoration für einen Orangenkuchen suchte. 
Auf meinem Heimweg komme ich immer an einer Stelle vorbei, wo der Wind herrlichen Blütenduft vorbeiträgt. Jetzt weiß ich auch, was es ist: die Orangenbäume unserer Nachbarn...
 
Ansonsten ist unser Haus renoviert worden. Vorher war es nur von innen schön, jetzt ist es auch von außen richtig hübsch - nur ein richtiger Garten fehlt noch...
Vorher...
Unser Eingang im Umbau - ein Abenteuer für sich...
Alles neu!
















Im Übrigen ist jetzt auch der Umbau des Instituto de Idiomas abgeschlossen - es ist wunderschön geworden!