Die mexikanischen Männer mögen Machos sein - und das sind sie bestimmt! (ich erinnere mich an den fast umgläubigen Blick meines Schülers bei der Frage, ob er kochen könne...) - aber ihre Höflichkeit sucht noch ihresgleichen! Selbstverständlich halten die Männer den Frauen hier die Türen auf und lassen einem stets den Vortritt. Der Mann mag noch so schmächtig sein und die Frau kräftig, aber es ist undenkbar, dass eine Frau hier eine der 18l-Wasserflaschen trägt, das macht der Mann. Und gehen ein Mann und eine Frau gemeinsam am Straßenrand, geht der Mann immer auf der Seite der Autos, um die Frau zu schützen. Ein Freiwilliges Soziales Jahr mit ADRA und weltwärts an der Universidad de Montemorelos
Samstag, 27. November 2010
Kulturelle Notiz 3: Männer
Die mexikanischen Männer mögen Machos sein - und das sind sie bestimmt! (ich erinnere mich an den fast umgläubigen Blick meines Schülers bei der Frage, ob er kochen könne...) - aber ihre Höflichkeit sucht noch ihresgleichen! Selbstverständlich halten die Männer den Frauen hier die Türen auf und lassen einem stets den Vortritt. Der Mann mag noch so schmächtig sein und die Frau kräftig, aber es ist undenkbar, dass eine Frau hier eine der 18l-Wasserflaschen trägt, das macht der Mann. Und gehen ein Mann und eine Frau gemeinsam am Straßenrand, geht der Mann immer auf der Seite der Autos, um die Frau zu schützen. Bioparque Estrella
Bei einem unserer Ausflüge fanden wir uns unversehens in der afrikanischen Savanne wieder - ein Erfahrung der besonderen Art...
Wir waren in einem Naturpark hier in der Nähe, der Zoo, Freizeit- und Safaripark in einem ist. Teodora fuhr uns hin, aber am Eingang mussten wir feststellen, dass der Park, anders als im Internet angekündigt, an dem Tag geschlossen war. Nach einigem hin und her durften wir aber mit dem Privatauto immerhin in den Safariteil (natürlich nur bei geschlossenen Fenstern - leider).
Aug' in Aug' mit den wilden Tieren...
Einige Impressionen:
Anders als ursprünglich angekündigt (soviel zu "geschlossen") konnten wir dann aber doch auch in einige andere Teile des Parkes gehen und uns den Wüsten- und den Kräutergarten anschauen. Außerdem leben in dem Park alle möglichen Tiere in kleinen Gehegen, die sich sogar anfassen lassen - wie ein kleiner Streichelzoo! Dass das für die Tiere aber offenbar nicht ganz so schön ist, konnten wir wenig später feststellen...
Nur wenige Tage später stand wieder ein Ausflug in den - diesmal geöffneten - Bioparque auf dem Programm, diesmal mit unserer Spanischklasse. Der ganze Park war voll Kinder, offenbar ist der Park ein beliebtes Ausflugsziel für Schulklassen (insofern passten wir hervorragend dazu...).

Der Esel in einem der kleinen Gehege fand die große Aufmerksamkeit der Kinder aber sicherlich nicht so lustig - jedenfalls vermute ich, dass sein wildes Ausschlagen keine Freudensprünge waren.
Auf der Suche nach etwas weniger überfüllten Stellen im Park entdeckten Kerstin und ich erst einen kleinen Garten voller Schmetterlinge, hinter dem eine Treppe den Berg herabführte.

Wir folgten der Treppe tiefer und tiefer, ohne zu wissen, wo sie uns hinführen würde. Schließlich fanden wir uns in einem Flussbett voll glattgeschliffener heller Kiesel wieder, in dessen Mitte ein kleiner milchig-weißer Fluss floss, zu beiden Seiten erhoben sich die bewaldeten Hänge, im Hintergrund sah man die Berge - und wir konnten für eine Weile die Einsamkeit des Platzes genießen.
Später, nach der Fütterung - pardon, dem Brot und Kuchen - für die hungrigen Spanischschüler folgte die Fütterung der wilden Tiere im Safaripark.
Diesmal machten wir die Safari wie vom Park vorgesehen in großen offenen Wagen. Wir durften die Tiere sogar füttern und den Versuch unternehmen, sie anzufassen, ohne aus dem Wagen zu fallen - eine echte Herausforderung! Jedenfalls weiß ich jetzt, dass Vogelstrauße gierig sind und ziemlich harte Schnäbel haben, wenn sie einen in die Hand beißen...
Wer nicht alles Cola trinkt...
Ungefähr auf diese Art wurde mir schließlich der Becher von einem Kamel aus der Hand gerissen. Tatsächlich liegen überall zerkaute Colabecher herum. Zeit, die Tiere zu streicheln, ist eigentlich nicht, weil man immer um seine Finger fürchten muss.
Das sich uns überhaupt Tiere näherten, grenzt an ein Wunder, weil die Schulklasse, die mit uns im Bus saß, bei jedem Tier laut johlte.
Die Strecke, für die wir beim ersten Besuch etwa eine Stunde gebraucht hatten, legten wir diesmal in knapp 20 Minuten zurück. Das ist schon merkwürdig - die normale Bewegungsgeschwindigkeit in Mexiko ist viel geringer als bei uns (an ein langsameres Tempo im normalen Leben kann man sich übrigens gut gewöhnen!), aber wenn es darum geht, ein Museum anzuschauen oder eine Safaritour zu machen, sind sie plötzlich rasend schnell...
Nur zwei Wochen später hatten wir erneut Gelegenheit, den Bioparque zu besuchen, aber diesmal bei Nacht und auf dem integrierten Campinggelände. Wir hatten mit einer Gruppe Freunde verabredet, ein Campamento zu machen. Weil es schon recht kalt werden sollte, griffen wir auf die Kabinen zurück, die von dem Park angeboten wurden: Ein kleines Haus mit drei Doppelstockbetten, einer Toilette und einer Waschgelegenheit. Zu acht Mädchen war in dem Raum nicht viel mehr Platz, als in einem Zelt...
Natürlich machte das überhaupt nichts, denn wir verbrachten fast die ganze Nacht damit, um das Feuer zu sitzen, uns zu unterhalten, zu spielen und Marshmallows zu grillen (bzw. zu verbrennen - unsere mexikanischen Freunde entzünden sie kurz am Feuer und blasen sie gleich wieder aus, um sie dann genüsslich zu essen :S ...) Es wurde tatsächlich schon ziemlich kalt, aber der Sternenhimmel war absolut sehenswert - die Milchstraße zog sich wie ein silbernes Band einmal quer über den Himmel!
Kurz bevor es dann ins Bett ging, bekamen wir noch Besuch - ein Stinktier interessierte sich sehr für unser Essen und machte alle, die doch in einem Zelt schlafen wollten, ziemlich nervös...
Erst am nächsten Morgen wurde mir klar, vor was für einer großartigen Kulisse wir die Nacht verbracht hatten...
Ein wirklich schöner Ausflug!
Mittwoch, 24. November 2010
Ausflug nach Monterrey
Ende vergangenen Monats hatte ich für eine Woche Besuch von meiner Mutter und ihrem Mann. (Freu!!!) Wenn ich nicht arbeiten musste, konnten wir gemeinsam die Sehenswürdigkeiten der Umgebung besuchen. Einen besonderen Ausflug machten wir gemeinsam mit dem Spanischkurs an einem Sonntag nach Monterrey.
Monterrey ist die drittgrößte Stadt Mexikos mit etwas über einer Million Einwohnern. Wenn man in die Stadt hineinfährt, kommt man über eine große Brücke, die die Stadt in zwei Hälften zu teilen scheint: Links sieht man eine moderne, schicke Stadt, rechts dagegen ausgedehnte Slumgebiete. Mexiko ist gespalten zwischen arm und reich.
Im Hintergrund sieht man "El Cerro de la Silla", den Hausberg Monterreys, der das bedeutendste Wahrzeichen der Stadt ist.
Unser Weg führte uns zuerst zum Historischen Museum, in dem wir einen Überblick über die Mexikanische Geschichte vom Leben der Ureinwohner über die Ankunft der Spanier bis zur Industrialisierung erhielten. Vor dem Museum, das an einem sehr schönen Platz liegt, hatte kurz zuvor ein Wettbewerb der Pflastermaler stattgefunden, die sehr sehenswerte Kunstwerke hinterlassen hatten.
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| Das historische Museum liegt räumlich hinter uns, zeitlich haben wir es aber noch vor uns... |
Nach dem Museum stand die Besichtigung der "Bandera Monumental", einer 100m hohen und 250kg schweren mexikanischen Fahne, auf dem Programm. Der Weg zu der Fahne wird gesäumt von normalgroßen Flaggen, die im Laufe der Geschichte die mexikanische Nationalfahne waren.
Nicht nur die Größe der Fahne ist imposant, auch ihre langsamen Bewegungen im Wind und das dumpfe Knattern sind eindrucksvoll.
Der Tag wurde mit einem Besuch in der Innenstadt Monterreys und den ersten "Artesanías" (Kunsthandwerk) abgeschlossen.
Dienstag, 16. November 2010
Día de la Raza
Obwohl schon wieder einen Monat her, darf ich einen ganz besonderen Höhepunkt hier nicht verheimlichen: Am 17.10. wurde hier der Día de la Raza, wörtlich der "Tag der Rassen" oder besser "Tag der Nationen" gefeiert. Im Prinzip ist es das Fest aller Ausländer hier - die Gelegenheit für alle Deutschen, Patriotismus zu lernen!
Um das Fußballfeld herum waren Stände mit Essen aufgebaut worden. Wir hatten aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt (siehe der Eintrag vom 29.9. "Bicentenario") und gingen zuerst essen. Aber auch diesmal war es nicht so ganz einfach, denn bei diesem Fest standen wir Ausländer ja im Mittelpunkt. Immer wieder kamen Mexikaner zu uns. Sie sollten für ein Spiel in verschiedenen Sprachen den Satz "Freund, wie heißt du?" übersetzen lassen. So gaben wir während des Essens immer wieder kurze Deutschstunden, die meistens mit einem gemeinsamen Foto abgeschlossen wurden.
Später gingen alle Vertreter der 42 Nationen, die sich präsentieren sollten, zu ihren Plätzen am Rand der Bühne und des "Laufsteges". Wir waren zwar drei Freiwillige von ADRA Deutschland, aber Kerstin ist eigentlich Liechtensteinerin und Bethys Eltern kommen aus Bulgarien, so dass wir zu dritt Bulgarien, Liechtenstein und Deutschland vertraten. Zu meiner großen Aufregung musste ich mit der großen Parade anfangen, denn Deutschland heißt auf Spanisch "Alemania" und kam damit direkt vor Angola.
So gab es ein interessantes Programm, das Musik, Reden und Beiträge über die Geschichte Mexikos (den Einfluss der verschiedenen Völker) beinhaltete. Und dann der Höhepunkt: Mittlerweile war es dunkel und nur die Bühne wurde von Scheinwerfern ausgeleuchtet. Die Moderatoren sprachen einige Worte über das betreffende Land, dann begann die Nationalhymne und der Vertreter betrat mit der Landesfahne den Laufsteg.
Ich glaube, ich habe mich noch nie so deutsch gefühlt!
Die anderen Nationen folgten, einer nach dem anderen begleitet vom Jubel der Zuschauer, bis wir uns am Ende noch einmal alle auf der Bühne versammelten und Mexiko durch das Publikum auf die Bühne kam. Die Menge tobte! Feierlich wurde die mexikanische Fahne entfaltet und alle Mexikaner sangen die Nationalhymne. Danach schwenkten wir alle unsere Fahnen und sangen "We are World" während eine Gruppe Kinder tanzte und viele weiße Luftballons in den Himmel steigen gelassen wurden.
Hinterher war Gelegenheit viele, viele Fotos zu machen, die die Mexikaner auch nicht ungenutzt ließen. Wir waren für die nächste Zeit beschäftigt, bis wir nicht mehr lächeln konnten, unsere Fahnen in den Ständern im Stich ließen und fluchtartig den Ort verließen, um an den Essensständen mit Churros, Agua de Limon und ähnlichem weiterzufeiern...
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| Deutschland, Rumänien und Bulgarien (von links nach rechts) |
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| Armenien und Deutschland |
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| Deutschland, Liechtenstein und viele Mexikaner |
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| Deutschland, Martinique, Liechtenstein und einige Mexikaner |
Arbeit
Mittlerweile ist viel Zeit vergangen, seit ich das letzte Mal geschrieben habe - es war soviel los, dass ich einfach nicht dazu gekommen bin. Ich werde versuchen, es Stück für Stück nachzuholen. Die Versuchung ist groß, nur über die Höhepunkte hier zu berichten. Aber den größten Teil der Zeit nimmt natürlich die tägliche Arbeit ein. Deshalb zuerst ein kleiner Überblick über unsere Arbeit hier:
Ich arbeite nach wie vor im Instituto de Idiomas und gebe meine drei Englischklassen.
Langsam holt mich aber auch hier der Alltag eines Lehrers ein: In wenigen Wochen ist das Semester zuende und das Buch hat noch mehr Einheiten als mir lieb ist... Trotzdem macht die Arbeit großen Spaß!
Ansonsten arbeite ich inzwischen auch regelmäßig in der Musikschule und begleite Geigenschüler. Wir proben gemeinsam und spielen in den Vorspielen. Einmal die Woche ist Vorspiel ("Taller"), aber nicht immer sind auch die Geigen dran. Bisher hatten wir zweimal Vorspiel im großen Auditorium der Universität und zweimal im kleinen Rahmen - also nach deutschen Maßstäben zwei "Konzerte" und zwei "Vorspiele".
Natürlich gehört zu meinen Aufgaben prinzipiell auch die musikalische Begleitung von Gottesdiensten. Bisher musste ich aber erst einmal spielen - dafür gleich unter erschwerten Bedingungen:
Ich war erst kurz zuvor gefragt worden, bei einem Abendgottesdienst zu spielen, ein modernes Lied und einen Choral. Nachdem ich das moderne Lied, das Mottolied, ausführlich geübt hatte, erfuhr ich wenige Minuten vor Beginn, dass ich noch drei Choräle mehr zu spielen hätte - in Deutschland kein Problem, hier aber eine echte Herausforderung. Nicht nur, dass ich die Lieder nicht kannte und zu mir völlig unbekannten Liedern eine Intonation zu improvisieren hatte, hier singt man auch mit viel Rubato, wird im Lied langsamer oder hält auch mal im Melodiefluss an. Deshalb ist es so wichtig, dass jemand von vorn die Gemeinde beim Singen dirigiert. Glücklicherweise saß jemand aus der Musikschule neben mir, um das Dirigat für mich zu übertragen. Ich schwitzte Blut und Wasser, gleichzeitig vom Blatt zu spielen und dem so ungewohnten Dirigat zu folgen. Direkt danach sollte ich das Mottolied spielen. Hier hatte ich mich mit der Einleitung sehr unwohl gefühlt, aber inzwischen war völlig unerwartet eine Organistin aufgetaucht und bevor ich mir noch Gedanken machen konnte, begann sie das Lied zu spielen und ich konnte einfach gemeinsam mit der Gemeinde einsetzten. (Hier spielen Orgel und Klavier stets zusammen.)
Im Nachhinein hat sich gezeigt, dass ich wie durch ein Wunder das nicht spielen musste, was ich nicht so gut konnte, dafür aber an anderer Stelle einer echten Herausforderung gegenüberstand, die aber zu meistern war. Das ist Mexiko! Aber ich bin mir sicher, dass Gott dabei war!
Für die Physiotherapeuten unter uns Freiwilligen sieht die Arbeit gänzlich anders aus: Kerstin arbeitet an vier Tagen die Woche in dem Projekt "Luz y Vida" ("Licht und Leben"). Hier werden Patienten betreut, die sich eine medizinische Versorgung finanziell nicht leisten können, sie aber brauchen. An zwei Nachmittagen geht das Team zu den Patienten nach Hause, die auch nicht in die Klinik kommen können und behandelt die Menschen dort. Die Lebensbedingungen der Menschen sind oft erschreckend schlecht: Zum Teil führen Trampelpfade steil den Berg hinauf, so dass es ein Rätsel ist, wie die oft alten Menschen ihre Einkäufe dort hinbekommen. Die Hütten kleben am Berghang sind und sind akut von Bergrutschen gefährdet - eine Hütte fand das Team nach längerem Regen plötzlich ohne Rückwand vor.
Die Leute werden von einem Arzt und einer Krankenschwester untersucht, dann bekommen sie noch eine physiotherapeutische Behandlung. Oft leiden diese Menschen schon seit Jahren unter Schmerzen im Bewegungsapparat und ihnen kann so wirklich geholfen werden.
An den anderen beiden Nachmittagen bleibt Kerstin in der Klinik und behandelt dort die Menschen, die dorthin kommen können. Auch diese Patienten werden unentgeltlich behandelt, aber natürlich sind die Behandlungsmöglichkeiten viel besser, wenn sie in die Klinik kommen.
Wer mehr über Kerstins Arbeit wissen möchte, dem empfehle ich ihren Blog: www.kerstininmexico.blogspot.com
So arbeiten wir in den "klassischen" Bereichen Gesundheit und Bildung. Das Spracheninstitut für Menschen von inner- und außerhalb der Universität kann hier nur betrieben werden, weil es viele Freiwillige gibt, die unterrichten. Dagegen arbeiten die Freiwilligen im medizinischen Bereich mit den Folgen von mangelnder oder sogar total fehlender Bildung.
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