Sonntag, 17. Oktober 2010

Kulturelle Notiz 2: "Zählungen"

Interessanterweise zählt man in Mexiko und Deutschland nicht auf die gleiche Art und Weise mit den Fingern. Den Mexikanern fällt es sogar schwer, mit dem Daumen beginnend zu zählen, während ich Probleme habe, mit einem anderen Finger anzufangen.
Die deutsche Zählweise:





Die mexikanische oder amerikanische Zählweise - es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten und mir ist noch nicht klar, welche hier bevorzugt wird:



Allerdings muss ich noch herausfinden, ob das einen Unterschied macht, wenn man hier für das Klavier Fingersätze schreibt, ob es hier nicht vielleicht Geigenschüler leichter haben, deren erster Finger der Zeigefinger ist...




Samstag, 16. Oktober 2010

Kulturelle Notiz: "Anreden"

Heute habe ich einiges Neues herausgefunden über die Regeln, wie man hier Menschen anredet. Grundsätzlich ist es so, dass man die Leute mit ihrem Beruf anspricht. Ärzte heißen „Doctor“, Pastoren werden mit „Pastor“ angesprochen und meine Lehrer sind „Maestra“ oder „Profa“. Ich bin für meine Englischschüler dementsprechend einfach „Teacher“. Das erleichtert Leuten, die Schwierigkeiten mit Namen haben, das Leben natürlich ungemein – aber ich weiß noch nicht, wie man elegant den Beruf einer Person heraus bekommt, um die richtige Anrede zu wählen.
Was ich allerdings weiß, ist dass ich meine jüngeren Schüler (natürlich) duze, meine älteren aber sieze. („Ihr“ gibt es übrigens nicht, im Plural wird jeder gesiezt.) Was ist aber, wenn mich eine ältere Person duzt (10, 15 Jahre älter)? Duze ich dann zurück oder sieze ich aus Respekt vor „dem Alter“ trotzdem? Nun, ich sieze sie – in einigen Familien siezen die Kinder sogar ihre Eltern!

Samstag, 9. Oktober 2010

Ein mexikanisch-europäischer Geburtstag

Vor vier Tagen hatte Kerstin Geburtstag - ein ganz besonderer Tag für uns alle!
Es fing damit an, dass um 5.15am eine Gruppe Jungs und zwei andere Freiwillige vor unserem Fenster standen und Glückwunschlieder sangen. Kerstin war vorher völlig ahnungslos und wurde erst von den Gitarren und dem Gesang geweckt. Wir standen erst hinter dem Fenster (ist das nicht schön - genau wie man es sich vorstellt!) und gingen dann hinaus, damit sie die Glückwünsche auch noch persönlich entgegennehmen konnte.

Im Spanischunterricht hatte unsere Grammatiklehrerin eine echte Piñata mitgebracht: Eine Figur aus Pappmasché, die innen mit Süßigkeiten gefüllt ist. Es ist hier Brauch, dass die Piñatas in der Vorweihnachtszeit aufgehängt werden und bei Festlichkeiten, den Posadas, zerschlagen werden, um an den Inhalt zu kommen. Diese Piñata hatte allerdings ein Loch, um den Inhalt herauszubekommen (er wurde an den Kurs verteilt), Kerstin durfte zum Geburtstag die Piñata mitnehmen.

Mittags kochten Bethy und ich mit Teodora ein wunderbares europäisches Mittagessen (Spaghetti, Tomatensauce, Pesto, Paprika, Salat... herrlich!) und zum Nachtisch gab es einen Geburtstagsschokokuchen mit echter Schweizer Schokolade... (Wir haben tatsächlich ein Geschäft gefunden, in dem sie europäische Produkte verkaufen - nicht nur Schokolade, sondern z.B. auch Käse-Fondue!) Es war ein wunderschöner Tag. Wie glücklich einen Kleinigkeiten machen können!

Freitag, 8. Oktober 2010

Gottesdienste

Die Universidad de Montemorelos ist eine christliche Universität und das geistliche Leben spielt hier eine große Rolle. - Dazu passt übrigens auch, dass die meisten Studenten, die man hier trifft, Theologie oder Medizin studieren. - In den Dormitorios gehört Andacht zum täglichen Leben. Die Mädchen singen, es gibt ein bisschen was zum Nachdenken (manchmal verstehen wir sogar etwas!) und oft gibt es noch einen "especial", einen besonderen Vortrag: ein Gedicht oder einen Liedvortrag. Kerstin und ich konnten auch schon zwei deutsche Lieder beisteuern, allerdings nicht gesungen, sondern auf Klarinette bzw. Blockflöte gespielt.
Ansonsten hatten wir die Gelegenheit ganz unterschiedliche Gottesdienste an verschiedenen Orten zu besuchen. Freitags abends ist ein Gottesdienst zum Beginn des Sabbats hier in der Kirche der Universität. 
Oft treffen wir uns aber auch mit den anderen Freiwilligen im Instituto de Idiomas, um dort gemeinsam Sabbatanfang zu feiern.
Dann gehört natürlich am Sabbatmorgen der Gottesdienst dazu. Hier ist die Gemeinde so groß, dass es zwei Gottesdienste gibt. Der erste beginnt morgens gegen 8.30. Um 10.00 geht es dann in die Gesprächskreise. Wir haben die Wahl, entweder die Englische Sabbatschule zu besuchen oder in der Kirche in der Spanischsprachigen zu bleiben. Gegen 11.00 beginnt der Predigtteil zum zweiten Mal. Es wird gesungen, stets von Orgel und Flügel gleichzeitig begleitet, es gibt jedesmal eine Geschichte für die Kinder, die ich sehr genieße, weil ich sie relativ gut verstehe, und natürlich eine Predigt. Außerdem wird natürlich gesammelt - und immer stehen vorn Kinder, die das Land repräsentieren, für das gesammelt wird. Häufig singt auch einer der Chöre oder das Orchester spielt - es ist viel los! Dieser Gottesdienst wird gefilmt und in ganz Lateinamerika ausgestrahlt.
Die Kirche - mit Repräsetant eines Landes für das Sammeln und Chor. Der Erker oben ist das Taufbecken!

Die Englische Sabbatschule
 Neulich hatten wir die Gelegenheit, mit Leuten hier aus der Gegend und unseren Vorgängerinnen eine kleine Kirche hier in der Gegend zu besuchen. Es war fast wie zuhause mit so viel weniger Menschen! Auch der Ablauf des Gottesdienstes war gar nicht so anders, als wir es kennen.

Man beachte das Taufbecken im Hintergrund mit dem aufgemalten Fluss: In den Adventgemeinden werden Erwachsene durch Untertauchen getauft und hier sieht es sicherlich so aus, als geschähe das in dem Fluss. Außerdem sehr aussagekräftig die mexikanische Flagge rechts hinten.
Letzten Sabbat war eine ganz besondere Aktion: Unser Gottesdienst fand im Rahmen eines "Retiro espiritual" für die Studenten im ersten Semester statt.
Unser Gottesdienst-"Raum"
Gemeinsam fuhren wir mit den Bussen der Universität zu einem wunderschönen Gelände hier in der Gegend. In kleinen Gruppen hatten wir Zeit, gemeinsam über die Bibel zu sprechen, Andacht zu haben, zu beten... Auch Mittagessen gab es dort und am Nachmittag war Zeit über verschiedene Fragen gemeinsam und allein nachzudenken. Eine wunderschöne Zeit um in Ruhe mit Gott und den anderen zusammen zu sein, über Prioritäten nachzudenken, aufzutanken...!
Das Gelände "Nueva Esperanza"
Blick über das Gelände auf die nahen Berge
Sonne satt - und ich hatte meinen ersten Sonnenbrand, der abends bei unseren mexikanischen Freunden einen gewaltigen Lachanfall ausgelöst hat...
Und schließlich gibt es noch einen Sabbatschlussgottesdienst, in dessen Rahmen wir hier vorgestellt wurden - jetzt weiß im Prinzip jeder, wer wir sind... 
Jedenfalls ist es hier die Regel, dass sich alle Mädchen zum Gottesdienst sehr schön machen, wie zu einem besonderen Fest - und natürlich tun wir das auch - genau jetzt ist es an der Zeit dazu! Und dann werden wir gleich, wie vor jedem Gottesdienst, mit dem gesamten Campus zur Kirche gehen. Es ist schon ein besonderes Gefühl, wenn alle Studenten und Lehrer in ihren Gottesdienstkleidern einem Ziel zustreben!